Birkenwerderfahrt am 6./7.08.2016

 Birkenwerderfahrt

zur Fotogalerie

 
Am 6.8.2016 starteten wir zu unserer diesjährigen kleinen Wanderfahrt. Nachdem wir letztes Jahr nach Werder fuhren, wollten wir diesmal die Oberhavel erkunden. An einem eher frischen Morgen trafen wir uns um 9 Uhr auf dem Bootsplatz. Unser Ruderwart und Fahrtenleiter Lutz, der gefühlt schon eine Stunde eher vor Ort war, hatte bewusst diese frühe Zeit ausgewählt, da die meisten erst kurz nach neun eintrudelten und wir natürlich noch Gepäck verstauen und die Mannschaften einteilen mussten.

Unsere beiden Vierer „Mark Brandenburg“ und „Havel“ wurden startklar gemacht, wobei in einem der Boote ein Platz frei blieb, da am Sonntag noch eine weitere Kameradin zur Verstärkung hinzukommen sollte. Gegen 10 Uhr waren wir dann endlich soweit, unsere beiden Boote zu Wasser zu lassen und die Schurre an der Schleuse Spandau anzuvisieren.

Für einige, auch unser Neumitglied Judith war die Schurre eine neue Erfahrung. Sehr rasch konnten wir auf die Oberhavel übersetzen und unsere Fahrt fortsetzen. Unser erstes Pausenziel war der RVP Saffonia. Gerade als wir beide Boote am Steg hatten, kamen auf einmal drei Boote vom RC Tegel, die auch sehr gerne dort ihre Pause machen wollten. Also mussten wir ein Boot rausnehmen und ein Boot hinter dem Steg parken.  Als dieses kleine Hindernis überwunden war konnten wir endlich unser Pausenbrot essen.

Natürlich hatte jeder auch etwas für alle anderen mit eingepackt und so rollten wir anschließend gefüllt mit Broten, Waffeln, Schokolinsen und Bouletten wieder mit unseren Booten zu Wasser und wir konnten unsere Fahrt fortsetzen. Als wir an der Einfahrt zum Havelkanal nach Paaretz vorbeikamen, konnten wir einigen Kameraden noch die künstlichen Inseln zeigen, die die DDR-Regierung zum Schutze vor durchbrechenden Schiffen hatte anlegen lassen. Allerdings sind die alten Lastkähne schon fast gänzlich zugewachsen, bzw. versunken, sodass man nur noch wenige Reste der alten Schiffe ausmachen kann.

Die nächste Pause machten wir in Höhe des alten Elektrostahlwerkes Hennigsdorf. Ein paar Kilometer waren es noch bis zu unserem Ziel, dem Ruderverein Birkenwerder. Dort angekommen packten wir unsere Sachen aus und genossen selbst gemachten Käsekuchen von unserem jüngsten Mitglied Emma. Das Wetter war an diesem Tage sehr gut und die Sonne kam heraus und wärmte uns.

Nach kurzer Diskussion waren deshalb auch alle dabei noch einmal 10 Kilometer weiter zu rudern um noch zum Ende des Lehnitzsees und der gleichnamigen Schleuse zufahren. Als wir den Kanal verließen und den Lehnitzsee befuhren, sahen wir zwar schon die eine dunkle Wolke, setzten aber unsere Fahrt fort. Plötzlich setzte starker Wind ein und als wir die Hälfte des Sees überquert hatten brach auch der Regen los. Erst kleine Tropfen, doch dann ging es richtig los. Binnen kürzester Zeit waren die Ruderer völlig durchnässt. Kurz vor der Schleuse hörte es kurzzeitig erst mal auf zu regnen. Nach einer sehr kurzen Wechselpause an der Schleuse (Heike durfte zum Landdienst wechseln und wurde von Detlef abgelöst) setzten wir schnell unsere Heimfahrt fort.

Gerade als wir wieder etwas trocken wurden, setzte natürlich der Regen wieder ein. Was insgesamt viermal geschah. Immerhin kam die Sonne wieder raus, als wir in den Kanal zum RV Birkenwerder einbogen. Nachdem wir uns allen eine heiße Dusche in dem schönen neuen Bootshaus gegönnt haben und unsere Sachen zum Trocknen aufgehängt hatten, machten wir uns an die Vorbereitung zum Abendessen/Grillen. Jeder packte mit an, ob beim Tische Stellen, Einkaufen, Salat schnippeln oder Grill vorbereiten, sodass wir uns auch bald zu Tisch setzen konnten.

Es wurde viel gelacht und bis in die Dunkelheit blieben wir gemütlich auf der Terrasse sitzen und genossen die gute Gesellschaft und die kühlen Getränke. Dann gingen die ersten zu Bett. Die Meisten von uns schliefen direkt im Vereinsraum auf den mitgebrachten Luftmatratzen.

Der „harte Kern“, bestehend aus allen „Daddys“ zog noch auf ein letztes Glas an die Theke zurück, die (Gott sei Dank!) durch eine Schiebetür vom Rest des Vereins-/Schlafraumes abgetrennt war.

Am nächsten Morgen wurden wir sehr früh vom putzmunteren Fahrtenleiter Lutz geweckt. Wir mussten zeitig los, denn unser Frühstück wartete im einige Kilometer entfernten „Wirtshaus an der Niederheide“. Als dann der Erste laut aussprach, was alle dachten „Nächstes Mal machen wir das Frühstück selber“ war das Ziel dann aber auch schon in Sichtweite. Und es gab ein Frühstück, das eines Ruderers würdig war. Ohne viel Schnickschnack: Brötchen, diverse Wurst und Käsesorten. Saft und Kaffee ohne Ende und als Krönung: Frisch gemachtes Rührei mit Speck und Zwiebeln. Die Wirtin sorgte auch immer für Nachschub, sodass unser Marsch zum Vereinshaus zurück viel schneller ging. Inzwischen wartete dort auch schon Lina als Verstärkung für unsere Rücktour.

Dank der Familie Flemming sowie den bereitwillig auf Lücke hinrudernden KameradInnen konnte ich Sonntag nach Birkenwerder nachkommen. Das Schnarchkonzert der Nacht hatte mein Freund ebenbürtig ersetzt, aber die wagemutigen Bett-Ersatz-Konstruktionen (zusammengeschobene Stuhlsitzflächen) sowie den blanken Fußboden hatten nur die hartgesottenen KameradInnen auf sich genommen. Großen Respekt!

Bei strahlendem Sonnenschein konnten Heike, Detlef, Tero und ich in aller Ruhe die Abfahrt vorbereiten, bis die anderen gestärkt vom Frühstück zurückkamen. Viel war nicht zu tun, sodass wir - nach einem Eintrag im Vereinsgästebuch sowie angemessener Verabschiedung - zeitig aufbrachen. Unter Einsatz unseres Lebens hatten wir den schmalen und rutschigen Steg bezwingen und die beiden Vierer zu Wasser lassen können. Entlang des schattigen Grüns startete die Fahrt dann sehr entspannt. Streckenweise kamen wir sogar in den Genuss des sich auf der Wasseroberfläche spiegelnden Himmels! Dies jedoch nur zeitweise, der Grünbelag war dicht und ließ eher an eine Rasenfläche denken. Zumindest hatten die uns begleitenden Enten ein ebenfalls reichhaltiges Frühstück.

Unser erstes Etappenziel, den Stadt-Hafen Velten, erreichten wir in perfekter Abstimmung mit dem Landdienst. Von 'Stadt' war allerdings weit und breit nichts zu sehen, und die reichhaltig-grüne Wasseroberfläche war einer farbenprächtig-schillernden gewichen. Dem Namen 'Margarine-Kanal' wurde hier alle Ehre gemacht! Nach einem ersten Besatzungswechsel zur Erholung des jeweiligen Hinterteils brachen wir auch schnell wieder auf, da abseits einiger hindümpelnder Kähne nichts Erfreuliches zu erspähen war. Yachten, Strandpromenade und Anlegestellen mit Eisverkäufern wurden ins Reich der Fantasie zurückverbannt und unser Abstecher unter 'einmaliger Kilometerzweck' verbucht.

Das nächst größere Etappenziel, den RVP Saffonia, erreichten wir dank vieler Motorboote mit deutlichem Wasserpegel in den Booten. Mit letzten Kräften wurden die Boote an Land gehievt und die Körper zum Vereinshaus bugsiert, wo dann auch allerlei selbstfabrizierte Leckereien die Runde machten. Dabei wurden wir vom Verein nicht nur bewirtet, sondern auch gleich mit der neuen Flagge für unseren Fahnenmast ausgestattet. Nach letzten Blicken auf die neu angepflanzten Weinreben (Potential für's überübernächste Vereinsfest!) und die Trümmerbahn mit Schienenverlauf auf dem Gelände (potentiell rückenschonende Transportmöglichkeit für die Boote!) hissten wir dann auch wieder die Seg--- ach nee. Stachen wir wieder in See. So rum! Für mich als Gewässerneuling war diese Etappe besonders spannend, da die Umgebung geschichtsträchtig mit DDR-Wachturm und versunkenen Frachtkähnen als ehemalige Fluchthindernisse aufwarten konnte.

Die letzte Etappe führte uns schließlich vorbei an Liebesinsel und schlecht (oder zu optimistisch?) geplantem Städtebauabschnitt entlang des Spandauer Speckgürtels. Am alten Schultheiss-Areal sandten wir dann einen lieben Gruß aus dem Boot an unsere Kameradin Luzie Kutschke, der sie hoffentlich auch erreicht hat?!

Letztes Highlight vor dem heimischen Steg war dann die Schleuse - insbesondere für einen Schleusen-Neuling wie mich! Von strahlenstem Sonnenschein begleitet bugsierten wir unser Boot gemeinschaftlich auf die andere Seite. Glasklares Wasser gab den Blick dort frei auf einen sanft wiegenden Grünbewuchs auf rostigen Schienen, und muntere Fischlein tummelten sich über dem schimmernden Betongrund. Spätestens dort stiegen mir die eindeutigen Gefühle von Industrieromantik zu Kopf.

Aller Romantik zum Trotz sparten wir uns den vorgeschlagenen Umweg über den Bastionsgraben der Zitadelle dann aber doch und konnten die Fahrt, erwartet von Familie Behrens sowie unserem tollen Landdienst, zu einem rundum gelungenen Abschluss bringen.

Matze und
Lina