Wiking-Sternfahrt am 15./16.10.2016 

Ein schottisches Sprichwort lautet: der Regen von heute ist der Whisky von morgen.
Aufs Rudern übertragen, könnte das bedeuten: der Regen von heute ist die Strömung von morgen. Glücklicherweise läuft diese Prozedur mit einiger Verzögerung ab, denn das Ziel des Tages lag etwa 38 Kilometer „stromaufwärts“ und der Regen startete erst mit uns.
Die Rudergesellschaft Wiking hatte zu ihrer traditionellen Sternfahrt geladen und neun „BRG-er“ folgten diesem Ruf und setzten ihre Namen auf die Meldeliste. Die Schar hatte sich überwiegend dafür entschieden, jeweils nur eine Tagesetappe zu rudern. Sonst wäre es uns gelungen, mit unserem Achter „Spandau“ in Neukölln vorzufahren.
Zur gewohnten Sonnabend-Ruderzeit legten wir die Skulls in die Dollen der „Mark Brandenburg“ und machten uns auf den Weg in Richtung Charlottenburger Schleuse. Die Sympathiewerte des unbekannten Schleusenwartes schnellten in die Höhe, als wir bei unserer Ankunft ohne Halt die unteren Schleusentore passieren durften. Bei einsetzendem leichten Nieselregen harrte eine Flotte von etwa sechs Ruderbooten dem weiteren Schleusengeschehen entgegen. Im Blickwinkel der Rohrdammbrücke tauchten jedoch immer weitere Ruderboote auf, die nach und nach die Schleuse bevölkerten. Es wurden sogar noch einmal die bereits geschlossenen Tore für weitere „Nachzügler“ geöffnet. Nach etwa einer Stunde Wartezeit war es dann soweit. Endlich ging es mit uns bergauf. Wir waren uns einig, dass unentschlossene Schleusenwarte mit Punktabzug auf der Sympathieliste rechnen müssen. Besonders bei Nieselregen. Im Pulk von etwa 25 Booten setzen wir die Tour in Richtung Tiergartenschleuse bei unverändertem Wetter fort. Hier beindruckte uns der Schleuser durch entschlossenes Handeln, sodass wir ohne nennenswerte Verzögerung auf dem Scheitelpunkt des Landwehrkanals unsere Fahrt in Richtung Urbanhafen fortführen konnten.

Im Urbanhafen verzichteten wir alle freiwillig auf ein feuchtes Wiesen-Picknick und ruderten nach kurzer Unterbrechung weiter. Eine Tafel an der Lohmühlenbrücke mit dem Hinweis auf Sperrung der Neuköllner Schleuse zwang uns nun zu einem Umweg über die Spree. Vorbei an Zenner und dem Eierhäuschen erruderten wir uns noch ein paar Premiumkilometer und wurden von der Wasserschutzpolizei am Britzer Zweigkanal „gestoppt“. Eine freundliche Dame vom Entenschutz eröffnete uns, dass der Kanal wegen einer Wassersportveranstaltung gesperrt sei. Nachdem wir ihr erklärten, das wir genau zu dieser Party eingeladen seien, ließ sie uns passieren. Ein Sprintrennen des Ruderfestivals verzögerte unser Anlegen am Wikingsteg. Dort mussten wir uns mit der Bergung unseres Bootes sputen, denn eine russische Vierermannschaft hatte es sehr eilig ihr Boot zu wassern und zeigte das auch deutlich. In trockener Kleidung kompensierten wir den inneren Flüssigkeitsverlust, um das Gleichgewicht zum Überfluss von außen herzustellen. Viel zu früh traten Kerstin, Michael, Marcel und zwei Matzes den Heimweg an.

Denn am nächsten Morgen bemerkten wir, dass nach uns die Party erst richtig losgegangen sein muss. Im Vergleich zu den wenigen Booten bis zu unserem gestrigen Abzug war die Wiese nun voller Boote.
Mit Juliane, Tillmann, Lutz, Matze Z. und Anita Lücke brachten wir unser Boot geschwind nach Spandau. Denn wir wurden beflügelt durch Bouletten von Lutz, Schiebewind und der jetzt ansteigenden Strömung auf dem Landwehrkanal.
Nebenbei bemerkt hat die RG Wiking bei den Olympischen Spielen mit ihrem Achter die Bronzemedaille gewonnen. Wie wäre es, wenn wir diese bemerkenswerte Leistung anerkennen, indem wir 2017 dort mit unserer „Spandau“ anlegen?

Matze Z.